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  • Schwierigkeitsgrad Fortgeschrittene

34 Myiasis durch Dasselfliege

Daniel S. Müller, Andreas Dietrich, Josef Schneider
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilians-Universität München
vorgestellt als Dia-Klinik, 23. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie, München 2012

DOI

Anamnese

Eine 40-jährige Patientin stellt sich mit einer juckenden, schmerzhaften und zeitweise pulsierenden Hautveränderung im Bereich des Capillitiums vor, die nach einem 3-wöchigen Urlaub in Paraguay aufgetreten sei. Dort sei sie am Capillitium von einem Insekt gestochen worden. Ansonsten fühle sich die Patientin gesund. Bisher seien seit sechs Tagen Ichthoseptal® Lösung (Wirkstoffe: Natriumbituminosulfonat, Chloramphenicol) sowie InfectoPyoderm® Salbe (Wirkstoff: Mupirocin) angewendet worden.

Hautbefund

Am Capillitium zeigt sich ein schmerzhafter, erythematöser Nodus mit zentraler Erosion. Unter leichtem Druck ist etwas putrides Sekret exprimierbar. Zusätzlich ist eine Lymphknotenschwellung am Hals beidseits palpabel.

Histopathologie

Capillitium (nach Exstirpation): Die Epidermis zeigt zentral einen schüsselförmigen oberflächlichen Defekt,
darunterliegend Fibrose, sowie durch die gesamte Dermis bis in das subkutane Fettbindegewebe ausgeprägtes, lymphohistiozytäres Infiltrat mit multiplen eosinophilen Granulozyten. Fokal abszedierende Entzündungsreaktion auch mit neutrophilen Granulozyten. Beurteilung: Abszedierende Entzündung mit multiplen eosinophilen Granulozyten, vereinbar mit Begleitreaktion bei Myiasis.

Therapie und Verlauf

Chirurgische Exstirpation der 1 cm langen Larve mittels Skalpell und Pinzette. Spülung mit Kochsalzlösung und antiseptische Wundbehandlung. Kontrolle Tetanus-Immunstatus. Die weitere Differenzierung im Tropeninstitut ergab, dass es sich um eine Larve von Dermatobia hominis handelt.

Kommentar

Weltweit sind etwa 100 Arten der Dasselfliegen bekannt, davon etwa 10 in Mitteleuropa. Besonders bei tropischen Dasselfliegen kann der Mensch als Fehlwirt angenommen werden. Das befruchtete Weibchen der Dermatobia hominis klebt seine Eier im Flug auf das Abdomen eines blutsaugenden Insekts. Dieses dient als Carrier, um die Eier auf den endgültigen Wirt zu transportieren.
Die Larve schlüpft, bohrt sich in die Haut des Wirts und verlässt nach 5-10 Wochen als ausgewachsene Larve den Wirt. Die Larven sind immer parasitisch und entwickeln sich spezifisch für die Unterfamilien in verschiedenen Körperregionen der Wirte. So wachsen die Nasendasselmaden in den Schleimhäuten der Nase und im Bereich des Siebbeins der Wirte heran, die Rachendasseln leben im Rachenraum und die Hautdasseln im Bindegewebe der Haut.

Fazit

Wenn Reisende über "bewegliche Beulen" – vor allem auf dem Kopf – berichten, muss man an diese Art der Parasiten denken, denn Infektionen mit den Eiern der Dasselfliege sind in Teilen von Süd- und Mittelamerika gängig.

Literatur

Dalton SC, Chambers ST (2009) Cutaneous myiasis due to Dermatobia hominis (the human botfly) in a New Zealand traveller returned from South America. N Z Med J 122: 95-99.
Kaouech E, Kallel K, Belhadj S, Chaker E (2010) Dermatobia hominis furuncular myiasis in a man returning from Latin America: first imported case in Tunisia. Med Trop 70: 135-136.
Mahal JJ, Sperling JD (2010) Furuncular Myiasis from Dermatobia hominus: A Case of Human Botfly Infestation. J Emerg Med. Epub ahead of print
Meissner M, Kippenberger S, Valesky EM, Kaufmann R (2011) Dermatobia-hominis-Infektion bei einem 3-jährigen Kind. Hautarzt 63: 325-328.
Messahel A, Sen P, Wilson A, Patel M (2010) An unusual case of myiasis. J Infect Public Health 3: 43-45.
Schreiber HA, Renkl AC, Lapinski W, Scharffetter-Kochanek K, Weiss JM (2010) Myiasis after study trip to French Guiana. J Dtsch Dermatol Ges 8: 357-359.

 

 

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