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  • Schwierigkeitsgrad Fortgeschrittene

23 Intertriginöse Erythrodysästhesie

Attila S. Antal, Josef Schneider, Markus Braun-Falco
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilians-Universität München
vorgestellt als Dia-Klinik, 23. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie, München 2012

DOI

Anamnese

Eine 57-jährige Patientin stellt sich mit Hautveränderungen im Bereich der Intertrigines und Fingerzwischenräume vor, die 2 Wochen zuvor mit brennenden Schmerzen aufgetreten und seither in Intensität und Ausdehnung progredient seien. Bei der Patientin besteht ein metastasiertes Ovarialkarzinom im Stadium IV, aufgrund dessen Polychemotherapie und Bestrahlungen in der Vergangenheit durchgeführt wurden. Aktuell erhält sie den vierten Zyklus einer adjuvanten Therapie mit pegyliertem liposomal verkapseltem Doxorubicin (PLD).

Hautbefund

Im Bereich beider Axillarregionen sowie beidseits inguinal großflächige, stark erosive und exsudative, lividerythematöse Plaques mit randbetonter Mazeration. Ähnlicher, jedoch weniger ausgeprägter Befund in den Fingerzwischenräumen.

Histopathologie

Linke Axilla: Unterhalb eines Stratum corneum mit korbgeflechtartiger Orthokeratose atrophe Epidermis mit fokaler Spongiose und apoptotischen Keratinozyten. Im Bereich der Junktionszone lichenoide Interfacedermatitis, darunter liegend im oberen Korium schütteres, vornehmlich lymphohistiozytäres Infiltrat mit Eosinophilen. Beurteilung: Gut vereinbar mit intertriginöser Erythrodysästhesie.

Labor

Blutbild, Leber- und Nierenwerte, Gerinnung, Elektrolyte im Referenzbereich, unauffälliger Urinstatus.

Mykologisches und bakteriologisches Labor
Axilla beidseits, inguinal und interdigital: In der Kultur kein Wachstum.

Apparative Diagnostik

Photodiagnostik
Keine Fluoreszenz im Wood-Licht.

Konfokale Laserscanningmikroskopie
In den Schweißdrüsenausführungsgängen Nachweis von hyperdensen Partikeln.

Therapie und Verlauf

Allgemein

Die betroffenen Areale wurden zunächst zweimal täglich mit Clobetasol-17-propionat-haltiger Creme und kühlenden Umschlägen mit Eisbeuteln behandelt. Nach wenigen Tagen wurde Uridin 10 % Creme (Uridin 10,0, Propylenglycol zum Ausreiben des Uridins, DAC Basiscreme ad 100,0) hinzugefügt. Binnen 10 Tagen waren die Hautveränderungen rückläufig.

Kommentar

Die akrale Erythrodysästhesie im Rahmen von zytostatischen Therapien wurde 1981 von Walter Burgdorf erstmals definiert, wodurch die Erkrankung auch als "Burgdorf-Reaktion" bekannt wurde. Die Erythrodysästhesie kann durch eine ganze Reihe von Zytostatika ausgelöst werden. Je nach zytostatischer Therapie wird die Inzidenz mit 6-64 % angegeben, nach PLD mit rund 45 %. Meist treten die Hautveränderungen akral auf und nicht, wie in unserem Fall, im Bereich der Intertrigines. Der genaue Pathomechanismus ist weitgehend unbekannt, es wird jedoch ein direkt zytotoxischer Effekt auf Keratinozyten verantwortlich gemacht. Besondere anatomische Gegebenheiten und Lokalisationen vermehrter Schweißsekretion sollen zu zytotoxischen Konzentrationen der Therapeutika führen. Diese Hypothese wird untermauert durch die Beobachtung hyperdenser Partikel im Bereich der Schweißdrüsenausführungsgänge in betroffenen Arealen mittels konfokaler Laserscanningmikroskopie. Wir interpretieren diese als sezernierte und kondensierte Doxorubicin-Partikel. In unbetroffenen Arealen sind diese Partikel nicht darstellbar.
In den letzten Jahren gewinnt die konfokale Laserscanning In-vivo-Mikroskopie zunehmend an Bedeutung. Als eine neue, nicht invasive diagnostische Methode stellt sie ein wichtiges neues Werkzeug im Repertoire des Untersuchers dar. Während in der ersten Zeit der Schwerpunkt auf die Untersuchung kutaner Neoplasien lag, rücken zunehmend entzündliche Dermatosen und Arzneimittelreaktionen in den Fokus des Interesses.

Fazit

Schmerzhafte erythematöse Plaques müssen bei typischer Medikamentenanamnese auch in atypischer Lokalisation an eine "Burgdorf Reaktion" denken lassen. Hyperdense Partikel in Schweißdrüsenausführungs-gängen in der konfokalen Lasermikroskopie könnten ein neues diagnostisches Kriterium für die Erythrodysästhesie darstellen.

Literatur

Branzan AL, Landthaler M, Szeimies RM (2007) In vivo confocal scanning laser microscopy in dermatology. Lasers Med Sci 22: 73-82.
Burgdorf WH, Gilmore WA, Ganick RG (1982) Peculiar acral erythema secondary to high-dose chemotherapy for acute myelogenous leukemia. Ann Intern Med 97: 783-784.
Gonzalez S (2009) Confocal reflectance microscopy in dermatology: promise and reality of non-invasive diagnosis and monitoring. Actas Dermosifiliogr 100 Suppl 2: 59-69.
Nagore E, Insa A, Sanmarín O (2000) Antineoplastic Therapy-Induced Palmar Plantar Erythrodysethesia ("Hand-Foot") Syndrome. Am J Clin Dermatol 1: 225-234.

 

 

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