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  • Schwierigkeitsgrad Fortgeschrittene

14 Humane Seminalplasma-Allergie: Allergen-spezifische Immun-Therapie mit Prostata-spezifischem Antigen (PSA)

Evanthia Kigitsidou, Amalia Alexopoulou, Michael Zirbs, David Papo, Johannes Ring, Knut Brockow
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein der Technischen Universität München
vorgestellt als Dia-Klinik, DDG-Jahrestagung, Dresden 2011

DOI

Anamnese

Die 22-jährige Patientin berichtet seit dem 15. Lebensjahr, wenige Minuten bis zu einer Stunde nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit Brennen und Juckreiz vaginal sowie mit Urtikaria und Augenlidschwellungen zu reagieren. Einmalig ist es sogar zu Schwindelgefühl und Kreislaufstörung (Tachykardie, Blutdruckabfall) gekommen. Es bestehe keine Symptomatik nach geschütztem Geschlechtsverkehr mit Kondom. Anamnestisch sind eine Rhinokonjunctivitis allergica, ein atopisches Ekzem und eine Epilepsie bei der Patientin bekannt.

Hautbefund

Es zeigt sich ein unauffälliger, altersentsprechender Hautbefund.

Diagnostik

Serologisch zeigte sich ein spezifisches IgE auf Spermaflüssigkeit mit 0,46 U/ml (Klasse 1) und ein erhöhtes Gesamt-IgE bei 202 U/ml. In den Pricktestungen mit Sperma, Seminalplasma und Prostata-spezifischem Antigen (PSA) 40 μg/ml waren positive Reaktionen mit Quaddel und Rötung zu sehen. Eine Intrakutantestung mit 0,1 μg PSA zeigte ebenfalls eine positive Reaktion mit einer 4 mm Quaddel und 6 mm Rötung. An Kontrollpersonen verblieb die Pricktestung und Intrakutantestung mit PSA negativ. Im Basophilen-Aktivierungstest war keine Stimulation durch PSA fassbar.

Therapie und Verlauf

Allgemein

Da Kinderwunsch besteht, entschieden wir uns zu einer Allergen-spezifischen Immuntherapie (ASIT) mit PSA. Initial führten wir eine Schnellhyposensibilisierung über 6 Tage bis zur Erhaltungsdosis von 40 μg PSA durch. Dabei zeigte sich nach der subkutanen Injektion von 40 μg PSA nach circa 30 Minuten eine Augenlidschwellung rechts mit Progredienz, so dass eine Behandlung mit Dimetindenmaleat (4 mg) erfolgte. Die Dosis wurde am nächsten Tag auf 7 μg reduziert und anschließend langsam bis 40 μg hochdosiert. Danach führten wir 1 x wöchentlich subkutane Injektionen mit der Erhaltungsdosis von 40 μg PSA durch. Nach 4 Wochen wurde eine Provokationstestung mit intravaginalen Injektionen von Seminalplasma des Partners in ansteigender Dosierung durchgeführt, die gut von der Patientin toleriert wurde. Anschließend erfolgte eine natürliche Exposition mit ungeschütztem Geschlechtsverkehr, ebenfalls ohne jegliche Reaktion.

Kommentar

Die humane Seminalplasmallergie wurde erstmals 1958 beschrieben; bis heute wurden circa 80 Fälle publiziert [1,5,8]. Sie betrifft meistens junge Frauen zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr, wobei viele von Ihnen eine atopische Diathese aufweisen. Es handelt sich um eine Sofort-Typ-Reaktion mit vaginalem Brennen und Juckreiz sowie Urtikaria und Angioödemen bis hin zu anaphylaktischen Reaktionen. Die Symptome treten wenige Minuten bis eine Stunde nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr auf. Die Diagnose wird nach ausführlicher Anamneseerhebung, Hauttests und IgE-Bestimmung auf Seminalplasma gestellt. In der Therapie wird eine Expositionsprophylaxe durch Kondomanwendung empfohlen sowie ein Notfallset verordnet. Bei Kinderwunsch besteht die Möglichkeit einer Insemination. Bisherige Hyposensibilisierungsversuche mittels intravaginalen oder subkutanen Injektionen mit Seminalplasma haben nur kurzfristig zu einem Erfolg geführt [2,3].
Als ursächliche Allergene für eine Seminalplasmaallergie wurden Glykoproteine mit einem Molekulargewicht zwischen 12 und 75 kDa detektiert, die wahrscheinlich dem Prostata-spezifischen Antigen entsprechen. Dies konnte mittels Immunoblot und Basophilenaktivierungstest nachgewiesen werden [6,7].
Bei unserer Patientin wurde die erste Hyposensibilisierung mit Prostata-spezifischem Antigen erfolgreich durchgeführt.

Literatur

1 Bangard C, Rosener I, Merk HF (2004) Type 1 sensitization to seminal fluid. Urticaria and angioedema. Hautarzt 55: 79-81.
2 Bosso JV, Aiken MJ, Simon RA (1991) Successful prevention of local and cutaneous hypersensitivity reactions to seminal fluid with intravaginal cromolyn. Allergy Proc 12:113-611.
3 Matloff SM (1993) Local intravaginal desensitazation to seminal fluid. J Allergy Clin Immunol 91: 1230-1231.
4 Nist GC, Driesch P (2007) Human seminal plasma allergy-a rare cause of recurrent anaphylaxis. JDDG 5: 34-36.
5 Shah A, Panjabi C (2004) Human seminal plasma allergy a review of a rare phenomenon.” Clinical & Experimental Allergy 34: 827.
6 Weidinger S, Mayerhofer A, Raemsch R (2006) Prostata-specific antigen as allergen in human seminal plasma allergy. J Allergy ClinImmunol 117:213-5.
7 Weidinger S, Ring J, Köhn FM (2005) IgE-mediated allergy against human seminal plasma. Chem Immunol Allergy 88: 128-38.
8 Winter UM, Harth-Treudler R, Simon JC (2008) Human seminal plasma allergy type I. Hautarzt 59(8): 649-52.

 

 

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