Plattenepithelkarzinom, Dermatochirurgie
ICD-11: C44a.1
-
Schwierigkeitsgrad Fortgeschrittene
41 Defektverschluss der Ohrhelix mittels chondrokutanem Verschiebelappen
Christine Gieding, Roland Kaufmann, Markus Meissner
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsklinikum Frankfurt
vorgestellt als Dia-Klinik, 46. Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, Dresden 2013
Synonyme, Schlüsselwörter und verwandte Bezeichnungen
Einleitung
Eine häufige Konstellation im Praxisalltag bilden betagte männliche Patienten mit Tumoren im Bereich der jahrelang lichtexponierten Ohrhelix. Häufig finden sich postoperative Defekte der Helixkante teils mit Beteiligung der Scapha und/oder Antehelix, die aufgrund ihrer Ausdehnung und Lokalisation nicht oder kosmetisch nur unbefriedigend durch Primärverschluss, eine Dehnungslappenplastik im Rahmen einer Keilexzision oder eine Verkleinerungsplastik nach Trendelenburg verschlossen werden können.
Eine gute Alternative des Defektverschlusses im Bereich der Ohrhelix bietet daher die chondrokutane Verschiebelappenplastik, erstmal veröffentlicht von Antia und Buch 1967, die eine Rekonstruktion der dreidimensionalen Struktur der Ohrmuschel und ihrer charakteristischen Konturen erlaubt. Während der letzten 45 Jahre wurden zwar diverse Möglichkeiten der Modifizierung dieser Technik beschrieben, dennoch wird sie in der Praxis meist nicht als Routineeingriff durchgeführt. Das technische Vorgehen und mögliche Varianten werden im Folgenden dargestellt.
Anamnese
1. Männlicher Patient mit ca. 1,5 cm langem Defekt im mittleren Drittel der rechten Helix nach mehrzeitig
mikrographisch kontrollierter in toto Exzision eines Plattenepithelzellkarzinoms (Abb. 1a).
2. Männlicher Patient mit ca. 3 cm langem Defekt der kaudalen linken Helix einschließlich der Scapha, ebenfalls nach mehrzeitig mikrographisch kontrollierter in toto Exzision eines Plattenepithelzellkarzinoms (Abb. 2a).
Technik
Patient 1: Zunächst zweischichtige Schnittführung im Sulcus zwischen Helix und Antehelix (Scapha), penetrierend durch die ventrale Haut sowie den Knorpel mit kaudalem einschichtigen Ausgleichsdreieck (ventrale Haut) im Bereich des lateralen Lobulus auricularis (Abb. 1b). Nach vorsichtiger, medial gerichteter Mobilisierung des Knorpels von der dorsalen Haut und umsichtiger Blutstillung mittels Elektrokauter, erfolgt die zweischichtige (ventrale Haut, Knorpel) Mobilisierung der Helixkanten und Adaptation der Wundränder mittels Knorpel- und Hautnaht (Abb. 1c).
Patient 2: Aufgrund der Größe des Defektes (> 2 cm) entschieden wir uns für eine Verkleinerung der Ohrmuschel durch eine Keilexzision im Bereich der Scapha und Antehelix bis zur Fossa triangularis sowie die Entfernung von kranialen Scapha-Anteilen. Nach Durchführung der Keilexzision (Abb. 2b) mit Wundrandadaption und dreischichtiger Naht (dorsale Haut, Knorpel, ventrale Haut) erfolgte die dreischichtige Exzision der Scapha-Anteile kranial des Defektes. Anschließend wie bereits oben beschrieben zweischichtige nach kaudal gerichtete Schnittführung im Sulcus zwischen Helix und Antehelix (Scapha), penetrierend durch die ventrale Haut sowie den Knorpel mit kaudalem einschichtigen Ausgleichsdreieck (Abb. 2c). Mobilisierung des Knorpels von der dorsalen Haut, Blutstillung und Mobilisierung der Helixkanten nach kranial und kaudal. Adaption der Wundränder mittels Knorpel- und Hautnaht (Abb. 2d).
Kommentar
Die Ohrmuschel dient nicht nur der räumlich akustischen Orientierung, sie ist auch ein wichtiges kosmetisches Element der menschlichen Kopfform. Ihre komplexe dreidimensionale Struktur sowie ihre charakteristischen Konturen spielen hierbei eine zentrale Rolle. Nicht vergessen werden sollte überdies ihre Bedeutung als Auflagefläche für Brillenbügel, die besonders für unser, von aktinisch bedingten, epidermalen Tumoren betroffenes, meist betagtes Patientenkollektiv unverzichtbar ist. Der chondrokutane Verschiebelappen bietet gerade für Defekte größer 1/3 der Helixkante eine gute Option, genau diese drei Funktionen zu erhalten. Durch Modifizierung der Technik von Antia und Buch z. B. durch Kombination mit einer Keilexzision, Scaphareduktion und/oder Vergrößerung des Burow Dreiecks im Bereich des lateralen Ohrläppchens lassen sich auch Defekte, die über die Helixkante bis zur Scapha, Antehelix und triangulären Grube reichen in einer singulären Sitzung mit befriedigenden kosmetischen Ergebnissen verschließen. Abhängig von der Größe des Defektes ist eine Verkleinerung der vertikalen Höhe sowie der lateralen Weite der Ohrmuschel zwar meist nicht zu vermeiden, die Proportionen können jedoch im Großen und Ganzen erhalten werden. Meist resultiert eine Abrundung der Helixkante. Dank der Durchführbarkeit des Eingriffs in einer einzigen Sitzung können langwierige Verbandswechsel, Wundgrundkonditionierung und häufige Arztvorstellungen im Verlauf vermieden werden.
Literatur
1 Antia NH, Buch VI. Chondrocutaneous advancement flap for the marginal defect of the ear. Plast Reconstr Surg. 1967 May; 39(5): 472-7.
2 Kaufmann R, Podda M, Landes E. Dermatologische Operationen, Farbatlas und Lehrbuch der Hautchirurgie, 4., aktualisierte und erweiterte Auflage, Thieme Verlag, 2011; 182-183.
3 Krunic AL, Weitzul S, Taylor RS. Chondrocutaneous advancement flap for reconstruction of helical rim defects in dermatologic surgery. Australas J Dermatol. 2006 Nov; 47(4): 296-9.
4 Low DW. Modified chondrocutaneous advancement flap for ear reconstruction. Plast Reconstr Surg. 1998 Jul; 102(1): 174-7.
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