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  • Schwierigkeitsgrad Fortgeschrittene

17 Frühsyphilis mit makulopapulösem Exanthem

Last Updated: 15-04-2014

Kauer F, Kohl PK
2008 für Klinik für Dermatologie und Venerologie, Vivantes Klinikum Neukölln, Berlin
f.kauer@mvz-fuerstenberg-karree.de

ADH 2008 Fall 16

DOI

Anamnese/Klinik

Der 65-jährige Patient stellte sich mit seit ca. 1 Jahr bestehenden und in den letzten 6 Wochen zunehmenden, nicht juckenden Hautveränderungen vor. Eine bisherige Lokaltherapie mit topischen Kortikosteroiden erbrachte keine Besserung. Der Patient berichtete weiterhin von rezidivierenden Fieberschüben bis 38°C in den letzten Monaten. Vermehrter Nachtschweis oder Gewichtsverlust wurden verneint. Der Patient wurde zunächst unter Verdacht auf eine maligne hämatologische Erkrankung stationär zur Diagnostik und Therapie aufgenommen. Differenzialdiagnostisch zogen wir ein Pseudolymphom, eine Histiozytose oder auch eine Arzneireaktion in Betracht.
Am gesamten Integument inklusive Palmae und Plantae zeigten sich multiple erythematöse, unscharf begrenzte, z. T. leicht infiltrierte Maculae und Papeln mit bis zu 2 cm Durchmesser. Die Schleimhäute waren frei. An allen Lymphknotenstationen waren multiple, nicht schmerzhafte Lymphknoten palpabel.

Diagnose

Frühsyphilis mit makulopapulösem Exanthem

Histologie

Die Epidermis ist orthokeratotisch verhornt, teils unregelmäßig akanthotisch, teils atroph. Basal findet sich eine leichte Hyperpigmentierung sowie vereinzelte nekrotische Keratinozyten. Im Corium findet sich ein fleckförmig lichenoides, zur Tiefe perivaskulär und periadnexiell orientiertes entzündliches Infiltrat. Das Infiltrat besteht aus Lymphozyten, Histiozyten und einigen Neutrophilen und Plasmazellen. Die Subkutis ist unauffällig. In der PAS-Färbung kein Nachweis von Pilzelementen sowie kein Nachweis einer verbreiterten Basalmembran. Etwas Muzinablagerung.

Kommentar

Verlauf:
Routinelabor und Differenzialblutbild waren unauffällig. Aufgrund der Histologie mit einem lichenoiden plasmazellreichen Infiltrat erschien die Diagnose einer Syphilis naheliegend. Die Verdachtsdiagnose wurde durch bestätigt. Ein Primäraffekt war dem Patienten nicht erinnerlich. Zum möglichen Infektionszeitpunkt gab der Patient anonymen Geschlechtsverkehr an. Wir leiteten eine Therapie mit 2,4 Mega Benzathin-Benzylpenicillin i.m. ein.
Die Syphilis bleibt ein weltweites Gesundheitsproblem. In Deutschland erreichte die Syphilisinzidenz im Jahr 2003 einen Wert von 4,1 Fällen pro 100.000 Einwohner. Sie wird oft als "Chamäleon der Dermatologie" bezeichnet, da sie zahlreiche andere Hauterkrankungen imitieren kann. Auch das histologische Bild ist sehr variabel. Plasmazellen, die grundsätzlich an eine Infektion mit Spirochäten denken lassen sollten, sind gelegentlich nur sehr vereinzelt vorhanden oder können gar vollständig fehlen. Ein überwiegend lymphozytäres Infiltrat kann je nach Verteilungsmuster differenzialdiagnostisch an Lymphome mit T- oder B-Zelldifferenzierung erinnern. Der Nachweis von Treponema pallidum mittels Immunhistochemie oder PCR kann einen histologischen Verdacht bestätigen. Ansonsten basiert die Diagnose der Syphilis auf klinischen Zeichen, Darstellung von Treponema pallidum in der Dunkelfeldmikroskopie und vor allem serologischen Tests (TPHA, TPPA, VDRL, FTA-abs).
Eine übersehene Syphilis kann zum Spätstadium der Syphilis fortschreiten, verbunden mit einer höheren Morbidität und Mortalität. Eine frühe Diagnose und entsprechende Behandlung kann dies verhindern. Die Syphilis ist weiterhin eine anonym meldepflichtige Erkrankung, die eine Partnerbehandlung mit erforderlich macht.

Literatur

Weedon D. Spirochetal infection. In: Weedon D. Skin pathology, 2nd ed. Edinburgh: Churchill Livingstone 2004; 650-53.
Erfurt C, Lueftl M, Simon M Jr, Schuler G, Schultz ES. Late syphilis mimicking a pseudolymphoma of the skin. Eur J Dermatol 2006; 16(4): 431-4.
Bari A, Raza N. Secondary syphilis clinically mimicking pseudolymphoma of the face. Dermatology Online Journal; 12(3): 20.
Hodak E, David M, Rothem A, Bialowance M, Sandbank M. Nodular secondary syphilis mimicking cutaneous lymphoreticular process. J Am Acad Dermatol 1987; 17(5Pt2): 914-7.

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